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Sonntag, 24. Mai 2015

Martin Olczak - Die Akademiemorde ( * * ) - Mit Spoilern

Claudia Rodriguez, Ermittlerin bei der zentralen Mordkommission und Buchantiquar Leo Dorfman suchen einen Mörder, der nach und nach Mitglieder des Komitees für für die Vergabe der Literatur-Nobelpreise umgebringt. Fängt spannend an, endet in hahnebüchener Unsinn.

<Achtung-Spoiler>

Schlimmster Unfug 1:
Der Mörder hat alle seine potentiellen Opfer mit sendenden Mikrochips ausgestattet, so dass er sie auch kilometerweit aufspüren kann. Die Ermittlungsbehörden und später eingeschalteten Personenschützer und Militär können diese Sender aber nicht aufspüren. Und einer dieser Chips wurde einem Opfer sogar jahrelang vorher bei einer Operation untergejubelt ...

Schlimmster Unfug 2:
Die Motivation des Mörders liegt 100 Jahre in der Vergangenheit, keins der Opfer hat damit direkt zu tun. Und der Mörder auch nicht ... 

Schlimmster Unfug 3:
Die erfolgreiche Ermittlerin - mit schon vorliegenden Ergebnissen - wird bald vom Fall abgezogen, damit sie bei Ermittlungspanne als Sündenbock dienen kann. So unprofessionell sind Polizeibehörden auch nicht, oder?


Bewertung: Beim besten Willen nicht mehr als zwei von fünf Sternen (ein Stern wegen der netten Kapitelüberschriften).


Freitag, 24. April 2015

Jon Stock, Verrat in eigener Sache ( * * * * )

Jon Stock, Verrat in eigener Sache ("Games Traitors Play"), Spionagethriller

Seit Salim Dhar - überzeugter Djihadist und Sohn eines früheren MI6-Agenten - den amerikanischen Präsidenten in Delhi fast erschossen hatte, wird er von den westlichen Geheimdienste intensiv gesucht. Die Amerikaner vermuten Dhar in Afghanistan und versuchen ihn mit einer Kampfdrone abzuschiessen, und fallen damit auf einen Trick von Dhar herein. Sein Halbbruder Daniel Marchant, MI6-Agent, vom CIA gefoltert um Details zu verraten die er nicht hatte, ist in ihm in Marakesch dicht auf der Spur - bis ein russischer Hubschrauber im Atlasgebirge Dhar abholt. 

Spannend, aber manchmal etwas "too much" und leicht oberflächlich. Ich hab das Buch einfach so angefangen ohne nachzusehen ob es jetzt ein britischer oder amerikanischer Autor ist, im ersten Kapitel befürchtet man schon "amerikanisch-waffenstarrend-heldenhaft", aber so nach und nach wird schon klar, dass es ein britischer Autor sein muss ... die amerikanischen Militärs und Geheimdienste kommen zu schlecht weg. Insgesamt sind alle Geheimdienstler sehr in ihrer Spiegelwelt und ihren Lügen verfangen (vielleicht kann man vermuten, dass dieser Aspekt realistisch ist, auch wenn die Aktionen sicher kaum so aktionlastig sind wie hier). Zum Ende hin werden ein paar Protagonisten etwas menschlicher, das wird dann aber unrealistisch ... und die Action ist natürlich sowieso unrealistisch, aber das ist bei Spionage-Thrillern ja immer so und gehört dazu...

Splatter-Faktor: Folter (Tipp: nicht vorm Zahnarztbesuch lesen), sonst medium, "die Guten" sind allerdings auch eher skrupellos (wenn provoziert).
Bechtel-Faktor: IIRC nicht erfüllt, aber immerhin eine selbstbewusste weibliche Nebenfigur
Bewertung: Vier von fünf Sternen (oder drei? Naja, geben wir mal vier, die Szenerie - besonders in Marokko - ist ganz überzeugend geschildert)

Donnerstag, 16. April 2015

Robert Harris - Intrige ( * * * * * )

Robert Harris - Intrige ("An Officer and a Spy")

Alles ein Justizirrtum - darauf besteht der französische Hauptmann Alfred Dreyfus 1894, dennoch wird er wegen Landesverrats verurteilt und zu lebenslanger Haft unter unmenschlichen Bedingungen auf die Teufelsinsel verbannt. Die Militärführung ist sich sicher: Kein Justizirrtum, jeglicher Vermutung Richtung Irrtum ist böse Propaganda und militärkraftzersetzend, weitermachen! Marie-Georges Picquart, Offizier, Beobachter des Verfahrens und seit kurzem Chef von "Sektion 2" - dem französischen Militärgeheimdienstes - deckt jedoch bald auf, dass Beweise gefälscht wurden und dass der Verräter ein anderer sein muß. Dieses Politikum ist jedoch heikel, er verwickelt sich mehr, als erst mal für seine Karriere gut sein kann ...

Die Dreyfus-Affäre war ein realer Fall, der damals weit über die französische Republik hinweg große Kreise gezogen hat. Wie meistens bei Robert Harris: Ein Thriller auf Basis von realen Begebenheiten. Nur das Picquart ein Tagebuch hinterliess - so Harris - ist Fiktion, alle anderen Figuren gab es tatsächlich. Spannend aufbereitete Geschichtsstunde aus Sicht des sympatisch dargestellten Picquart.

Bewertung: Fünf von fünf Sternen

Montag, 16. März 2015

Fürchte dich nicht! - Jürgen Kehrer ( * * * * )


Auf der ostfriesischen Insel Norderney soll ein internationales Gipfeltreffen stattfinden, mit dem dazugehörigen Sicherheitstheater. Gerade jetzt aber gibt es eine sonderbare Welle von Virusinfektionen - durch Zecken ausgelöst? Anders als bei der üblichen FSME zeigen die Infektionsopfer ein sonderbar irrationales Verhalten. Die Infektionswelle soll wegen des bevorstehenden Großereignisses vertuscht werden, doch der örtliche Polizist Martin Geis und die Zeckenforscherin Viola de Monti ermitteln trotz offiziellem Widerstand.

Schöne Krimi/Thriller der zeigt, das Jürgen Kehrer neben Wilsberg sich auch andere Figuren ausdenken kann (tatsächlich gefiel mir das besser als der übliche Wilsberg-Krimi). Ganz ohne Münster ging es dann aber doch nicht :-) ...

Es gibt spannendere Thriller, aber schlecht war dieser jetzt nicht. Bewertung: Solide vier von fünf Sternen.

Splatter-Faktor: Mittel, vor Zecken sollte man sich nicht zu sehr gruseln und Viola de Monti hat eine Vergangenheit mit Kidnapping und Folter, der ihr sehr guten Grund zur Furcht gibt.